Entlang der Fahrt nach Norden, die uns schöne unterschiedliche Landschaften zeigte, mussten wir endgültig erkennen, dass Spanien groß ist bzw. dass Distanzen klein wirken, wenn man auf der Landkarte entsprechend zoomt. Unsere Fahrtstrecke betrug so um die 420 km, unterteilt in 2 Ladestopps, was wirklich gut funktioniert hat. Angekommen sind wir dann trotzdem erst gegen 20 Uhr. Aber hier ist so eine Zeit egal, da sperren die Gasthäuser erst einmal auf und die Sonne geht auch erst nach 21 Uhr unter.
Orio ist ein ganz eigener Ort, vlt. für hier typisch, für uns jedoch überraschend anders. Er liegt an einer Flussmündung in den Atlantik und zeichnet sich v.a. durch beinahe ausschließlich mehrstöckige Hochhäuser und Industriebauten vergangener Zeiten aus. Die bei uns typischen Einfamilienwohnhäuser sieht man hier selten. Generell haben wir das Gefühl, dass mehr in die Höhe gebaut wird. Im Ortskern fanden wir eine Art „Altstadt“, die recht nett wirkte. Sobald man die Stadt verlässt, befindet man sich in dünn besiedeltem, eher landwirtschaftlich genutzten, hügeligen Gebiet mit der Hauptfarbe Grün.
Gestern die Trockenheit und Hitze zuhause verlassen, in München bei Regen und kühlem Wetter zwischengelandet, um im Flug nach Madrid über weitere trockene Gebiete zu fliegen. Über weite Teile der Flugstrecke war gelbbraun die vorherrschende Farbe am Boden. In Madrid somit wieder bei Hitze von 38°C und Trockenheit aus dem Flieger gestiegen.
Erster Weg war dann natürlich die Mietautostation und diesmal ein E-Auto ausborgen, da dies die günstigste Möglichkeit war. Als die Dame fragte, wo wir hinfahren wollen, wollte sie uns das Auto fast nicht mehr geben. Hat wohl noch nie jemand ein E-Auto ausgeborgt, um richtig Kilometer damit zu machen. Anscheinend leihen das nur Stadtbesucher, die ein paar Vergünstigungen bekommen wollen. Sie meinte dann, das das Auto nur 160 km Reichweite hätte, was uns doch nachdenklich stimmte und wir fast zu zweifeln begannen. Der dicke, alt wirkende Schlüssel stimmte uns auch nicht erwartungsvoller. Kurz vor dem Gehen fragte sie nochmals, ob wir wirklich nicht upgraden wollen, aber wir beharrten auf unser Stromauto. Dann standen wir vor unserem Fiat 500e mit einer angeschriebenen Reichweite von 260 km – das wird schon gehen, wir sind ja im Urlaub.
Der Weg führte uns dann durch trockene Wiesen mit Kühen, Schafen, Pferden und Ziegen. Dazwischen immer wieder große Felsblöcke und Aussicht auf Berge. Über ein Gebierge führte uns die Strecke dann an unseren ersten Endpunkt in Torrecaballeros. Einzigen Ladesäulen in diesem Ort direkt vor unserer Unterkunft, beginnt ja schon sehr gut.
Gutes Abendessen dort, gemütlich im Freien, aber dazu später einmal mehr.
Heute nach dem Frühstück noch Pool mit super Aussicht auf schöne Landschaft und Rotmilan, Gänsegeier und Zwergadler. Dann geht’s ab in den Norden.
Lake Mead National Recreation Area, Boulder City Campground – day 19 – 2.637|32 mi
Der Morgen war wieder einmal sehr gemütlich. Der KOA und die Menschen sind echt nett hier. Wir entschieden uns, heute entlang des längsten, erhaltenen Teilstücks der Route 66 zu fahren und blieben in Seligman gleich nochmals stehen und bewunderten die schon jetzt fürs 100 Jahre Event am Wochenende angereisten Oldtimer – bei uns am Campingplatz „wohnten“ auch 3 davon.
Weiter ging es über eine fast leere Straße, ewig lang ohne Kurven, mit mehreren Stops in Richtung Kingman.
Dort angekommen, warteten 3 Aufträge auf uns: Walmart (war in kurzer Zeit erledigt, entgegen unserem ersten Einkauf); Burritos (so langsam werden wir echt Mexikaner-Profis – so langsam); Propan nachtanken (ging auch erwartet einfach, zumindest für uns, der Gasmann hatte einige Probleme). Desto weiter wir nach Westen fuhren, desto unwirklicher wurde die Landschaft – irgendwann eindeutig Wüste.
Und dann kam der Blick auf den Colorado-River im Tal und etwas weiter der Hoover-Dam, den wir nach einem Security-Check gleich mit dem WoMo erkunden und über die Dammkrone fahren durften.
Jetzt sitzen wir am Lake Mead und genießen den letzten WoMo-Sonnenuntergang bei – wieder bei beeindruckender Kulisse. Weiterer Plan heute: Feuer, Burger, Feuer… es ist jetzt nach Sonnenuntergang noch immer „kurze Hose, T-Shirt warm“, wenn man mich fragt.
Bei der Routenplanung für den heutigen Tag, waren wir unschlüssig, ob wir den Bergpass über Jerome wagen sollten oder nicht. Dieser ist angeblich nur bis 30 ft lange Fahrzeuge erlaubt und auf YouTube sahen wir abenteuerliche Videos von Wohnwagenanhängern. Wir haben zwar nur 25 ft, aber etwas verunsichert waren wir doch. Wir sind aber in den USA, da gelten eigentlich andere Dimensionen und sie erscheinen uns eher vorsichtig bei Warnungen. Daher beschlossen wir, die 20 Meilen zu sparen und die Bergwertung zu nehmen.
Erste Überraschung war, dass sie doch für bis zu 50 ft erlaubt ist und zweite, dass es tatsächlich ein Bergpass mit teilweise engen Kurven war.
Für uns war das Ganze relativ einfach. Ich weiß jedoch nicht, wie es dem einem entgegenkommenden Pickup mit langem Riesenwohnwagen ergangen sein mag, da es vor allem in Jerome sehr eng in der Stadt war.
Der Rest der Strecke war dann wieder von ewig lange Geraden geprägt.
Unser heutiger Campingplatz war eigentlich bekannt aus 2014, da wir auch damals in Seligman übernachteten. Wiedererkannt haben wir eigentlich viel weniger als erwartet, aber an den „Historic Route 66“-Hype konnten wir uns erinnern und doch waren wir auch diesmal fasziniert von den alten Geschäften, Autos und Tankstellen.
Black Cat Bar in Seligman
Den Abend haben wir natürlich mit Feuer ausklingen lassen. Der nette KOA Mitarbeiter hat uns sogar Holz geschenkt, da er morgen zum Great-Teton Nationalpark fährt, um dort den Sommer über zu arbeiten.
Dead Horse Ranch State Park, AZ – day 16/17 – 2.350|283 mi
Gleich in der Früh war der Wind schon so stark, dass wir lieber im WoMo frühstückten, obwohl es draußen echt nett gewesen wäre. Nach einer kleinen Runde am Campingplatz fuhren wir dann zeitig los und beinahe direkt zum „private owned“ Meteor Crater bzw. dem Barringer-Krater.
Schon am Parkplatz dann laute Super-Hollywood-Wahnsinnsmusik. Wir sind trotzdem noch hinein, wurden „begrüßt“ und direkt zu den Schaltern geleitet – dort haben wir dann umgedreht. Es wird verm. nicht schlecht sein, aber das meiste passiert verm. drinnen im Gebäude (quasi Museum) und wir wollten eigentlich ja nur auf den Kraterrand gehen und die Dimensionen erfassen. Unser neuer Plan: mit dem Geld in Flagstaff zu einem Mexikaner Burrito essen – bzw. viele Burritos essen. Gerlinde suchte ein entsprechendes Lokal aus, nur war in Flagstaff so viel los und unser WoMo zu groß für den verbleibenden Parkplatz. Geendet hat das Projekt „Mittagsjause“ kurz darauf in der Picknick-Area in einem lokalen Park. Es war echt nett, draußen Wind/Regen(+bissi Schnee) abwechselnd. Wir drinnen im Warmen – als Nachspeise dann noch Blueberry-Muffins und Kaffee. Wer hätte das von Flagstaff erwartet? Wir nicht; ich eine gänzlich andere Stadt, heiß in der Ebene und unspektakulär – traf alles nicht zu. Bei der Auffahrt auf den Highway: „könnte Schweden sein“.
Die Fahrt nach Süden bot dann das nächste Highlight: die Straße wurde schmäler und wirklich alpin hinunter in ein Tal (Oak Creek): bissi ähnlich zu Norditalien, wenn da nicht die tief roten Felswände wären.
Je weiter wir das Tal hinaus fuhren, desto mehr touristischer wurde es bei gleichbleibend atemberaubender Kulisse und dann kam Sedona – wow, so auch nicht erwartet. Touriwahnsinn (Sonntag Nachmittag) gepaart mit unglaublicher Aussicht.
Nur schnell durch, Parken wäre auch mit einem „normalen“ Auto nicht einfach gewesen. Die Strecke nach Cottonwood wieder wie gewohnt, 2-spurig hinunter ins Haupttal. Zuerst Walmart dann Laundromat (Waschsalon) in Clarksdale (beides eine gute Wahl). Das Wetter nach wie vor bewölkt und kühl. Finaler Punkt des Tages, der State Park mit Strom, Wasser und Internet und: KEIN fire ban!
Das erste Mal auf dieser Reise blieben wir zwei Nächte an diesem Standort und eigentlich wollten wir nach Sedona fahren. Mit dem WoMo tun wir uns das aber sicher nicht an. Gottseidank hat uns gestern ein Shuttlebus überholt, der stündlich von Cottonwood nach Sedona und retour fährt – und das Ganze zu einem unglaublichen Preis. So spazierten wir die etwas mehr als 3 Kilometer zur Bushaltestelle und ließen uns zum Wahnsinn führen. Eigentlich waren zwei Wanderungen geplant, da der Busfahrer jedoch keine Lust hatte, die letzte Station anzufahren, stiegen wir ganz wo anders aus, als geplant. Zeitgleich mussten wir feststellen, dass die Hikingshuttlebusse nur von Donnerstag bis Sonntag fahren. So haben wir das Beste aus der neuen Situation gemacht und gingen eine Wanderung, die zufällig in der Nähe der „neuen Haltestelle“ losging. Es stellte sich als eine sehr gute Wahl heraus, ein wunderschöner Weg entlang einer einzigartigen Kulisse, weit weg vom Wahnsinn und daher angenehm ruhig.
An einem Punkt hatten 2 Junipertittmouse ein riesen Gezetere veranstaltet und daher schauten wir da mal genauer. Es stellte sich heraus, dass sie versuchten ihre Brut zu verteidigen, die womöglich jedoch schon von einer gestreiften Peitschennatter gegessen wurde.
Diesen Weg ging es dann noch bissl weiter, bis wir ihn Richtung Stadt verließen, kurz in den Wahnsinn eintauchten und dann einen Weg zum Flughafenhügel fanden. Dieser versprach eine schöne Wanderung mit Aussicht. Der „Zubringerweg“ war dann nochmals eine Überraschung und trotz des knackigen Aufstiegs wirklich schön. Unglaublich viele Kakteen, die hier in unterschiedlichen Farben blühen. Dann ein kurzer Schreck, als eine kleine Schlange vor meinen Füßen auftauchte. Ich einen Sprung zurück und sie einen ins Gebüsch. Da haben wir uns wohl beide geschreckt.
Am Start der eigentlich geplanten Wanderung angekommen, die Aussicht genossen und „unseren Weg“ wieder zurück gegangen. Irgendwie hatten die zwei ungeplanten Wege mehr zu bieten.
Kurz in den Wahnsinn eingetaucht, mit dem Bus zurück und nach der Wanderung zum Campingplatz waren die Beine müde und wir freuten uns auf einen gemütlichen Abend mit Burger am Feuer.