Aupa Orio

Die letzten 3 Nächte waren wir in Orio, einer Küstenstadt Nähe San Sebastian. Auch wenn wir zuerst dachten, es ist hier sehr wirbelig und touristisch, entschärfte sich dieser Eindruck mit jedem Tag. Es ist halt Sommer und auch die Bewohner dieser Stadt sind viel unterwegs. Am ersten Tag ist uns schon aufgefallen, dass viele gelbe Fahnen an den Balkonen hängen und wir vermuteten politische Hintergründe.

Eine Recherche ergab, dass es sich dabei um Fans der heimischen Rudermannschaft handelt, diese sei einer der Besten im Lande, auch international erfolgreich. Am zweiten Tag sind uns auch die knallig gelben Shirts (eigentlich Funktions-T-Shirts) aufgefallen, die viele tragen. Der Höhepunkt war am Sonntag, da war dann noch mehr gelb zu sehen und „unsere Bar“ bis zum Bersten voll damit, alle vor Bildschirmen versammelt und eine Regatta beobachtend. Dem Jubel aus der Bar schließend, haben sie gewonnen.

Unglaublich wie diese Stadt für ihre Mannschaft mitfiebert.

im Baskenland

Entlang der Fahrt nach Norden, die uns schöne unterschiedliche Landschaften zeigte, mussten wir endgültig erkennen, dass Spanien groß ist bzw. dass Distanzen klein wirken, wenn man auf der Landkarte entsprechend zoomt. Unsere Fahrtstrecke betrug so um die 420 km, unterteilt in 2 Ladestopps, was wirklich gut funktioniert hat. Angekommen sind wir dann trotzdem erst gegen 20 Uhr. Aber hier ist so eine Zeit egal, da sperren die Gasthäuser erst einmal auf und die Sonne geht auch erst nach 21 Uhr unter.

Orio ist ein ganz eigener Ort, vlt. für hier typisch, für uns jedoch überraschend anders. Er liegt an einer Flussmündung in den Atlantik und zeichnet sich v.a. durch beinahe ausschließlich mehrstöckige Hochhäuser und Industriebauten vergangener Zeiten aus. Die bei uns typischen Einfamilienwohnhäuser sieht man hier selten. Generell haben wir das Gefühl, dass mehr in die Höhe gebaut wird. Im Ortskern fanden wir eine Art „Altstadt“, die recht nett wirkte. Sobald man die Stadt verlässt, befindet man sich in dünn besiedeltem, eher landwirtschaftlich genutzten, hügeligen Gebiet mit der Hauptfarbe Grün.

Spanien Festland

Gestern die Trockenheit und Hitze zuhause verlassen, in München bei Regen und kühlem Wetter zwischengelandet, um im Flug nach Madrid über weitere trockene Gebiete zu fliegen. Über weite Teile der Flugstrecke war gelbbraun die vorherrschende Farbe am Boden. In Madrid somit wieder bei Hitze von 38°C und Trockenheit aus dem Flieger gestiegen.

Erster Weg war dann natürlich die Mietautostation und diesmal ein E-Auto ausborgen, da dies die günstigste Möglichkeit war. Als die Dame fragte, wo wir hinfahren wollen, wollte sie uns das Auto fast nicht mehr geben. Hat wohl noch nie jemand ein E-Auto ausgeborgt, um richtig Kilometer damit zu machen. Anscheinend leihen das nur Stadtbesucher, die ein paar Vergünstigungen bekommen wollen. Sie meinte dann, das das Auto nur 160 km Reichweite hätte, was uns doch nachdenklich stimmte und wir fast zu zweifeln begannen. Der dicke, alt wirkende Schlüssel stimmte uns auch nicht erwartungsvoller. Kurz vor dem Gehen fragte sie nochmals, ob wir wirklich nicht upgraden wollen, aber wir beharrten auf unser Stromauto.  Dann standen wir vor unserem Fiat 500e mit einer angeschriebenen Reichweite von 260 km – das wird schon gehen, wir sind ja im Urlaub.

Der Weg führte uns dann durch trockene Wiesen mit Kühen, Schafen, Pferden und Ziegen. Dazwischen immer wieder große Felsblöcke und Aussicht auf Berge. Über ein Gebierge führte uns die Strecke dann an unseren ersten Endpunkt in Torrecaballeros. Einzigen Ladesäulen in diesem Ort direkt vor unserer Unterkunft, beginnt ja schon sehr gut.

Gutes Abendessen dort, gemütlich im Freien, aber dazu später einmal mehr.

Heute nach dem Frühstück noch Pool mit super Aussicht auf schöne Landschaft und Rotmilan, Gänsegeier und Zwergadler. Dann geht’s ab in den Norden.

N36,04° W114,80° 337 m

Lake Mead National Recreation Area, Boulder City Campground – day 19 – 2.637|32 mi

Der Morgen war wieder einmal sehr gemütlich. Der KOA und die Menschen sind echt nett hier. Wir entschieden uns, heute entlang des längsten, erhaltenen Teilstücks der Route 66 zu fahren und blieben in Seligman gleich nochmals stehen und bewunderten die schon jetzt fürs 100 Jahre Event am Wochenende angereisten Oldtimer – bei uns am Campingplatz „wohnten“ auch 3 davon.

Weiter ging es über eine fast leere Straße, ewig lang ohne Kurven, mit mehreren Stops in Richtung Kingman.

Dort angekommen, warteten 3 Aufträge auf uns: Walmart (war in kurzer Zeit erledigt, entgegen unserem ersten Einkauf); Burritos (so langsam werden wir echt Mexikaner-Profis – so langsam); Propan nachtanken (ging auch erwartet einfach, zumindest für uns, der Gasmann hatte einige Probleme). Desto weiter wir nach Westen fuhren, desto unwirklicher wurde die Landschaft – irgendwann eindeutig Wüste.

Und dann kam der Blick auf den Colorado-River im Tal und etwas weiter der Hoover-Dam, den wir nach einem Security-Check gleich mit dem WoMo erkunden und über die Dammkrone fahren durften.

Jetzt sitzen wir am Lake Mead und genießen den letzten WoMo-Sonnenuntergang bei – wieder bei beeindruckender Kulisse.
Weiterer Plan heute: Feuer, Burger, Feuer… es ist jetzt nach Sonnenuntergang noch immer „kurze Hose, T-Shirt warm“, wenn man mich fragt.

N35,32° W112,85° 1.607 m

KOA Seligman – day 18 – 2.457|186 mi

Bei der Routenplanung für den heutigen Tag, waren wir unschlüssig, ob wir den Bergpass über Jerome wagen sollten oder nicht. Dieser ist angeblich nur bis 30 ft lange Fahrzeuge erlaubt und auf YouTube sahen wir abenteuerliche Videos von Wohnwagenanhängern. Wir haben zwar nur 25 ft, aber etwas verunsichert waren wir doch. Wir sind aber in den USA, da gelten eigentlich andere Dimensionen und sie erscheinen uns eher vorsichtig bei Warnungen. Daher beschlossen wir, die 20 Meilen zu sparen und die Bergwertung zu nehmen.

Erste Überraschung war, dass sie doch für bis zu 50 ft erlaubt ist und zweite, dass es tatsächlich ein Bergpass mit teilweise engen Kurven war.

Für uns war das Ganze relativ einfach. Ich weiß jedoch nicht, wie es dem einem entgegenkommenden Pickup mit langem Riesenwohnwagen ergangen sein mag, da es vor allem in Jerome sehr eng in der Stadt war.

Der Rest der Strecke war dann wieder von ewig lange Geraden geprägt.

Unser heutiger Campingplatz war eigentlich bekannt aus 2014, da wir auch damals in Seligman übernachteten. Wiedererkannt haben wir eigentlich viel weniger als erwartet, aber an den „Historic Route 66“-Hype konnten wir uns erinnern und doch waren wir auch diesmal fasziniert von den alten Geschäften, Autos und Tankstellen.

Black Cat Bar in Seligman

Den Abend haben wir natürlich mit Feuer ausklingen lassen. Der nette KOA Mitarbeiter hat uns sogar Holz geschenkt, da er morgen zum Great-Teton Nationalpark fährt, um dort den Sommer über zu arbeiten.